Mission Statement

Ingried Brugger ┬ęPhilipp Hutter

„Nach der Nostalgie adliger Lebensformen und der Fixierung imaginierter Weiblichkeit ist der Mode der Vorschein eines Auswegs zugewachsen, der sie zur letzten und buchstäblichsten Verkörperung ihrer abendländischen Vergangenheit macht. Was sie verkörpert, ist ‚Individualität’ – Individualität allerdings nicht mehr im Zeichen des Seins, sondern eines Sein-zersetzenden Scheins; nicht mehr im Zeichen männlicher Identität, sondern weiblicher Differenz.“ (Barbara Vinken, Mode nach der Mode. Kleid und Geist am Ende des 20. Jahrhunderts, 1993)

Die Mode von Ingried Brugger hat die Diskussionen der letzten Jahrzehnte in ihre Gestaltung eingebaut. Als Leiterin eines Ausstellungshauses ist Brugger eng verbunden mit den Trends und Theorien des Kunstbetriebs und so auch einer der zentralen Fragen verpflichtet: Gibt es einen Unterschied zwischen Mode und Kunst? Die bisher beanspruchte Antwort lautete etwa folgendermaßen: Moden lösen einander ab, sie gehen auf in der Gegenwärtigkeit; Kunst dagegen funktioniert in aufsteigender Bewegung, sie lässt sich nicht einfach vergessen, sondern fordert die Berücksichtigung mit ihresgleichen.

Ingried Bruggers Mode setzt auf ein reziprokes Verständnis. Das Gewand wird aufgewertet zu einer der beispielhaften Lösungsketten, die aus Reflexion und dem Bemühen um Veredlung geknüpft werden. Da sich die Modemacherin Maßstab und Modell ihrer Kreationen zunächst stets selbst ist, fließt ein, was eine Biographie ausmacht, was sich in der Erinnerung bewahrt hat und davon übertragen wird in Aktualität. Diese Mode vereint Gewahrtes und Gegenwärtiges: High und Low, die Sozialisation in der österreichischen Provinz mit ihrem Faible für Trachten und die selbstverständliche Internationalität einer urbanen Existenz bringen sich simultan zur Geltung.

Hauptkriterium ist die Femininität dieser Entwürfe. Mode als Erinnerungskunst war bereits in den Achtzigern zur Diskussion gestanden, verkörpert von einer oftmals homosexuell definierten Gemeinde der Pfauenhaften und Unikat-Beflissenen. Dann kam die perfekte Unauffälligkeit, die formalisierte Tragbarkeit und die formalistische Tragbarkeit eines Unisex, die den Frauen Identität nur zugestand um den Preis der Entkörperlichung.

Mit Ingried Bruggers Designs wird eine neue Aufwendigkeit propagiert. Das Tragen eines Gewandes wird wieder theatralisch, der Auftritt wird zu etwas Spektakulärem. Kleidung wird angereichert mit dem Wissen um die Erotik der Aufmerksamkeit.